Zwischen Kopf und Pferd: Warum mentale Stärke im Sattel den Unterschied macht
In kaum einer anderen Sportart ist das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist so entscheidend wie im Reitsport. Nicht nur Technik und Training bestimmen den Erfolg, sondern vor allem auch die innere Haltung des Reiters. Catharina Hohaus von Hohaus Mentoring beschäftigt sich genau mit diesem oft unterschätzten Faktor: der mentalen Stärke. Im Gespräch erklärt sie, warum Angst vor Fehlern uns blockiert, wie wir mit Druck besser umgehen können – und weshalb unsere eigene innere Ruhe der Schlüssel zu mehr Vertrauen, Leichtigkeit und echter Harmonie mit dem Pferd ist.
Was ist die häufigste mentale Blockade, die Sie bei Reitern beobachtest?
Für mich ist es die tiefsitzende Angst, Fehler zu machen. Pferde sind unglaublich sensibel. Sie reagieren nicht nur auf unsere Hilfen, sondern auch auf unsere innere Anspannung. Wenn ein Reiter ständig versucht, Fehler zu vermeiden, entsteht oft Druck. Und dieser Druck überträgt sich auf das Pferd.
Was passiert im Kopf, wenn wir uns vor dem Start plötzlich selbst unter Druck setzen?
Da werden die inneren Zweifel lauter als die eigene Kompetenz. Der Fokus wandert von dem, was gelingen soll, zu dem, was schiefgehen könnte. Das erzeugt Druck und Unsicherheit. Da hilft es einem, mit mentalen Tools zu arbeiten, der den Körper beruhigen und den Kopf wieder auf ein klares, positives Bild der eigenen Kompetenz ausrichtet.
Wie schaffe ich es, nach einem Fehler nicht den ganzen Ritt „wegzuwerfen“?
Sich schon vorher mit Fehlern gedanklich zu konfrontieren, hilft sehr. Wichtig ist dann das innere Bild: Fehler sind okay, es geht einfach weiter. Wer die Reaktion auf den Fehler von Anfang an als Möglichkeit mitdenkt, kann im entscheidenden Moment schneller loslassen und sich wieder auf die nächste Aufgabe konzentrieren.
Gibt es eine einfache Sofort-Methode gegen Nervosität vor dem Einreiten?
Vielleicht nicht direkt vor dem Einreiten. Aber schon vor dem Fertigmachen kann man sich mit einem Tool aus der Gehirnforschung auf Entspannung und einen positiven Fokus vorbereiten. Wenn kurz vor dem Einritt doch noch Nervosität aufkommt, hilft eine kleine Bewegung aus diesem Tool. Dadurch kommt man wieder schneller in einen positiven Fokus und kann sich auf das konzentrieren, was vor einem liegt. Zwei weiter und sieh dir das Tool an.
Warum macht zu viel Leistungsdruck viele Reiter oft schlechter statt besser?
Leistungsdruck entsteht oft dann, wenn wir Erwartungen erfüllen wollen, die von anderen oder unsere eigenen. Deshalb hilft es, sich schon zu Hause mit dem Hintergrund dieses Leistungsdrucks auseinanderzusetzen. Woher kommt er eigentlich? Welche Glaubenssätze stecken dahinter? Wenn ich mir darüber klar werde, kann ich diese Erwartungen häufig in einen positiven Fokus verwandeln und mich wieder auf das konzentrieren, was ich beeinflussen kann.
Was bedeutet mentale Stärke im Reitsport eigentlich wirklich?
Sie bedeutet für mich, entspannt und fokussiert zu sein, vom Pferd lernen zu können und sich selbst ehrlich zu reflektieren, ohne sich dabei ständig selbst zu kritisieren.
Was würden Sie jedem Reiter als tägliche mentale Routine empfehlen – in nur einer Minute?
Jeden Tag drei Dinge aufzuschreiben, für die ich meinem Pferd dankbar bin, und drei Dinge, die es mir beigebracht hat. Und bevor ich in den Stall gehe oder aufs Pferd steige, mache ich kurz eine kleine Entspannungsübung. Das hilft mir, den negativen „Dampfplauderer“ im Kopf leiser werden zu lassen und mit mehr Ruhe und Fokus zu reiten.
Wie wirkt sich meine mentale Gesundheit/Stärke auf die meines Pferdes aus?
Das Pferd spürt, dass es sich auf seinen Reiter verlassen kann. Dadurch entsteht ein tieferes Vertrauen. Wenn der Reiter mental ruhig und klar ist, kann auch das Pferd lockerer und entspannter bleiben. In diesem Zustand lernt es leichter, nimmt mehr auf und kann sein Potenzial besser entfalten. Und vor allem entwickelt es mehr Freude an seiner eigenen Leistung.

